2016 - Eben anders

2016 – Eben anders

Ich habe lange nachgedacht ob ich etwas zu 2016 schreiben soll, denn das können andere viel besser als ich. Insgesamt war es ein sehr turbulentes Jahr. Für mich. Für uns. In den vergangenen Wochen und Tagen habe ich diesen Text mehrmals angefangen zu schreiben und nach wenigen Worten habe ich gleich wieder aufgehört. 2016 hat anscheinend doch mehr Narben hinterlassen als gedacht. Narben die man außen nicht sieht, die innerlich noch nicht richtig zu gewachsen sind. Manchmal eben doch noch Schmerzen verursachen.

Vor einem Jahr war meine Welt noch in Ordnung. Silvester 2015 noch mit meinem Dad und guten Freunden gefeiert. Wir haben uns letztens das spontan entstandene Video von dem Abend angeschaut und gelacht. Schön war es. Doch Ende Januar 2016 war es leider nicht mehr so fröhlich. Mein Dad erlitt während seiner Arbeit einen Schlaganfall mit einem Aneurysma. Mich erreichte die Nachricht im Büro als ich gerade noch mit meiner Kollegin spasste. Ein Anruf holte mich auf den Boden zurück. Eben noch ganz fröhlich, gelacht und auf einmal war alles anders. Ich war anders. Geschockt. Ich werde Euch jetzt nicht erklären was ein Schlaganfall und ein Aneurysma im Kopf ist und was es alles anstellt, denn auch das können andere sicherlich viel besser. Erst durch viele Gespräche, diverse Fachartikel, Abhandlungen, Vorträge und Bücher habe ich es verstanden was es bedeutet. Ich kann Euch nur sagen, es ist nichts was in 14 Tagen wieder weg ist und anschließend wird es auch nicht mehr so sein wie vorher. Die Tage und Nächte, die ich bei meinem Dad im Krankenhaus verbracht habe, sind immer noch in meinem Kopf. Die vielen Patienten die auf der Intensivstation lagen und das wenige Personal haben mich geschockt. Ich war jede freie Minute bei meinem Dad und stand ihm bei. Die Bilder von den anderen Patienten oder von Ärzten die versuchen in den Nebenzimmern Patienten zu retten, wollen nicht raus aus meinem Kopf. Die damals verbundenen schlaflosen Nächte haben an mir gezerrt. Mich Kraft gekostet. Mehr als 10 Kilo. Die zahlreichen Entscheidungen die ich für meinen Dad treffen musste und auch immer zu hoffen das es die richtigen waren, bleiben im Kopf. Nach 14 Tagen auf der Intensivstation kam er in die Frühreha nach Grünheide. Wo er wieder alles lernen musste. Wirklich alles. Atmen, essen, trinken, gehen, schlafen… leben halt. Manchmal waren Fortschritte zu sehen und mal wieder nicht. Drei Schritte vor, vier zurück. Jeder Tag war anders. Auf einen guten Tag folgte auch wieder ein trauriger Tag. Nach 7 Monaten (214 Tagen) Reha war es endlich soweit das er Grünheide verlassen konnte. Ein schöner Tag. Auch wenn nicht alles wieder so war wie vorher. Wir uns beide verändert haben. Eben anders…
Jetzt knapp 4 Monate nach der Entlassung hat er weitere Fortschritte gemacht und es freut mich sehr ihm jeden Tag dabei zuzuschauen. Auch wenn es kleine Fortschritte sind, aber es gibt welche. Ich hoffe das es noch viele viele geben wird. Er hat Ziele und das ist ganz wichtig.
Ja und ich? Das Jahr hat mich geprägt. Verändert. Ich sehe Dinge anders als noch vor einem Jahr. Anders eben. Es hat mir gezeigt wie wichtig es ist seine Zeit sinnvoll zu nutzen und schöne Momente intensiver zu genießen. Abzuschalten und sich auf die wirklich wichtigen Dinge des Lebens zu konzentrieren. Nach vorne zu schauen und sich an den kleinen Dinge zu erfreuen. Auch mal loslassen. Sich fallen lassen.
Aber ich hätte das Jahr nicht ohne meine Verwandten, Freunde und Kollegen durchgehalten. Die mich aufgefangen haben, mir Kraft und Mut geschenkt haben. Stets mit Rat und Tat mir zur Seite standen, wenn ich oft nicht weiter wusste. Dafür möchte ich mich von ganzem Herzen bei Euch bedanken und wünsche Euch alles Gute. Euch und Euren Familien wünsche ich besinnliche Weihnachtsfeiertage.

Frohe Weihnachten!

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